FAZ - Artikel, Mittwoch, 04. Juli 2007

 

Reich, gesund und glücklich: Ein Lob der Ehe von Julia Roebke


Am 7.7.2007 gibt es Stau vor dem Traualtar


Stau am Traualtar. Am kommenden Samstag sind deutschlandweit die Standesämter ausgebucht. „Bis zu ein halbes Jahr vorher haben sich die Paare bei uns angemeldet. Alle wollen am 07.07.2007 den Bund der Ehe schließen", erzählt Annie Linker vom Standesamt Wiesbaden. „Wir haben versucht, jedem Paar einen Termin zu geben, aber eine Eheschließung braucht ihre Zeit."

 

Die Glückszahlen beim Hochzeitsdatum sollen den „schönsten Tag im Leben" vollkommen machen. So denken viele Paare, und ganz nebenbei bleibt der Termin auch besser im Gedächtnis. Rund ein Drittel der Deutschen haben ihren Hochzeitstag schon mindestens einmal vergessen - ein Fauxpas, der die romantische Zweisamkeit schnell trüben kann. Dabei ist die Ehe etwas ganz Besonderes. Nicht nur der Liebe wegen lohnt es sich, die Ringe zu tauschen. Ökonomen und Sozialwissenschaftler haben die Ehe aus verschiedenen Blickwinkeln analysiert und kommen zu verblüffenden Ergebnissen: Wer heiratet, wird reicher, trinkt weniger Alkohol, nimmt weniger Drogen und bleibt gesünder als ein Single. Noch dazu sind Verheiratete glücklicher und haben mehr Sex: Wer will da schon ein Hochzeitsmuffel bleiben?

 

Kitschig mögen es die einen...

 

Auch Kirsten Stromann hat sich entschieden, sie will am kommenden Samstag heiraten. „Ganz allein aus Liebe", beteuert die 27-Jährige und strahlt. Dabei hat sie nicht nur wegen ihres charmanten Verlobten Björn allen Grund zur Freude. Auch finanziell wird sich der Bund der Ehe für sie rechnen.

 

Heiraten senkt Kosten

 

Denn Vorteile gibt es viele: Die gemeinsame Wohnung senkt die Mietausgaben. Das junge Paar muss weniger Steuern zahlen, und endlich lohnt sich auch die Anschaffung einer Spülmaschine. Das sind „economies of scale", sagen Ökonomen. Damit meinen sie Größenvorteile, die das gemeinsame Leben mit sich bringt und die einen angenehmen Lebensstandard zu geringeren Kosten ermöglichen. Wozu dann heiraten, wenn sich viele Vorteile auch durch eine Lebensgemeinschaft realisieren lassen?

 

...andere mögen es üppig behängt...

 

Kirsten Stromann hat noch einen weiteren finanziellen Grund, gerade jetzt zu heiraten. „Genau 30 Jahre vor unserem großen Tag haben meine Eltern geheiratet. In Zukunft können wir am Hochzeitstag immer zu viert essen gehen, und Daddy zahlt die Rechnung."

 

Aber auch beim Arbeitseinkommen der jungen Frau wird der Ring am Finger einen Unterschied machen: Das haben die Wissenschaftler Barbara Dafoe und David Popenoe von der amerikanischen Rutgers-Universität festgestellt. Bis zum Lebensende verheiratete amerikanische Paare haben rund doppelt so viel Vermögen wie Heiratsverweigerer. Und das liegt nicht nur daran, dass das Leben zu zweit billiger ist. Vielmehr beeinflusse eine Hochzeit das alltägliche Verhalten, argumentieren sie.

 

Verheiratete Männer arbeiten mehr

 

...und wieder andere lieben ihre Hochzeit eher schräg

 

Kaum sind sie unter der Haube, ändert sich bei den Männern die Lebensweise. Sie arbeiten mehr und härter, trinken weniger Alkohol, nehmen weniger Drogen und wechseln nicht so häufig den Job. Das fanden die Ökonomen Avner Ahituv und Robert Lerman im Jahr 2005 heraus. Im Vergleich zu Singles mit einem ähnlichen Ausbildungsstand bringen Ehemänner am Monatsende zwischen zehn und vierzig Prozent mehr Geld nach Hause.

 

Bei solchen Untersuchungen ist aber auch immer Vorsicht geboten. Denn: Finden nicht reichere Männer viel leichter eine Frau? Auch das lässt sich statistisch belegen, erläutern die Ökonomen, sie verweisen jedoch auf eine deutlichen Lohnaufschlag der allein am Familienstand liegen soll.

 

Moderatorin Gülcan, die bald im Fernsehen heiratet, fühlt sich "wie eine Märchenprinzessin"

 

Dass verheiratete Männer mehr verdienen, ist eine logische Folge der Arbeitsteilung in der Ehe. Das erkannte der renommierte Ökonom Gary Becker schon vor Jahren und lieferte sogleich das ökonomische Kalkül. Jeder Ehepartner spezialisiert sich auf das, was er am besten kann, und für beide Partner ist das Resultat vorteilhaft. Traditionell bedeutete dies meist, dass der Mann zur Arbeit geht und die Frau die Kinder großzieht. Arbeitet die Frau auch, reduzieren sich nach Beckers These die Vorteile der Ehe. Mit dieser Annahme lässt sich ökonomisch erklären, warum mit der Emanzipation der Frau immer weniger Paare heiraten.

 

Verheiratete Frauen verdienen mehr

 

Wie kann man jedoch erklären, dass auch verheiratete Frauen mehr verdienen als Single-Frauen? Genau das ist in Deutschland nämlich der Fall. Verheiratete Frauen in Führungspositionen in Deutschland verdienten im Jahr 2004 rund 13 Prozent mehr als ihre unverheirateten Kolleginnen.

 

Der ökonomische Hintergrund ist: In Zeiten von Tiefkühlkost und Zugehfrau ist die Spezialisierung der Frauen auf Hausarbeit nicht mehr so lukrativ. Frau und Mann arbeiten beide, und trotzdem gibt es Spezialisierungsvorteile der Ehe. Die Frau macht eben heutzutage die Steuererklärung und der Mann den Reifenwechsel beim Auto.

 

Neben diesen Vorteilen sind es auch sogenannte spezifische Investitionen, die die Ehe gegenüber der Partnerschaft ohne Trauschein vorteilhaft werden lassen. Wer investiert schon gerne viel Mühe und Geduld, um den Partner mit all seinen Marotten zu verstehen, wenn dieser bei der nächsten Gelegenheit die Sachen packt und verschwindet.

 

Wer heiratet, bleibt gesünder

 

Mit vertraglich zugesicherter Zweisamkeit lohnt sich das schon eher. Der Hintergrund ist einfach - gegenseitiges Verständnis schafft Vertrauen. Das ist die Grundlage für den Aufbau einer gemeinsamen Zukunft. Da zeigt sich auch mal etwas mehr Arbeitseinsatz im Job oder bei der Steuererklärung.

 

Doch nicht nur mit Blick auf den Gehaltszettel ist es sinnvoll, über eine Heirat nachzudenken. Auch die Krankenkassen würden sich über mehr Ehepaare in Deutschland freuen, argumentieren Wissenschaftler. Denn wer heiratet, bleibt deutlich gesünder. Das haben die Ökonomen Andrew Oswald und Chris Wilson herausgefunden. Der Gesundheitsbonus des Heiratens lässt sich ihrer Meinung nach sogar mit dem Vorteil vergleichen, den Raucher verzeichnen, wenn sie der Zigarette abschwören. Verheiratete Menschen leben auch deutlich länger und leiden weniger an Depressionen. In der Schweiz wurde festgestellt, dass 90 Prozent der verheirateten 30jährigen Männer 65 Jahre und älter werden. Nur 75 Prozent der Ledigen erreichen diese Altersschwelle.

 

Nachteile der Ehe

 

Bezüglich der Gesundheit gibt es beim Heiraten aber auch ein Problem. Den Paaren geht es in der Ehe einfach zu gut: Sie werden dick. So leiden 44 Prozent der verheirateten Frauen an Übergewicht, bei den Singles sind es nur 23 Prozent. Und bei den verheirateten Männern sieht es nicht besser aus. Doch das Übergewicht scheint die Leidenschaft der Paare nicht negativ zu beeinflussen, denn eines ist sicher: Verheiratete haben mehr Sex. Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt bringt das Liebesleben der einsamen Herzen auf den Punkt: „Singles produzieren mit viel Aufwand wenig Sex, der zudem wenig befriedigend ist."

 

Auch sind verheiratete Menschen „grundsätzlich deutlich glücklicher" als unverheiratete. Das fand der Schweizer Ökonom Bruno Frey heraus. Dabei gehören die Monate vor der Hochzeit und das erste Ehejahr zu den glücklichsten im Leben eines Menschen. Danach kann die Glückskurve aber auch fallen. Ein großer Bildungsunterschied zwischen den Partnern trübt das Glücksgefühl ebenso wie Kinder, die noch im Haushalt leben.

 

Es wird weniger geheiratet

 

Ein höheres Einkommen und bessere Gesundheit, mehr Sex und Glück. Bei all diesen Vorteilen scheint es verwunderlich, dass Hochzeits-Hochs wie am 07.07.2007 in Deutschland die Ausnahme bleiben. Denn die Tendenz ist klar: Es wird immer weniger geheiratet (siehe Grafik). Seit Jahren sinkt die Zahl der Eheschließungen. In den vergangenen zehn Jahren um satte zwölf Prozent.

 

Ein ähnlicher Trend zum Leben ohne Trauschein zeigt sich auch in Amerika. Präsident George Bush will das nicht hinnehmen. Er sieht die Eheberatung sogar als eine Aufgabe des Staates und fördert daher Hochzeiten, seit vergangenem Jahr mit einem speziellen „Ehe-Programm": hundert Millionen Dollar im Jahr an Zuschüssen für Heiratswillige, Hochzeitsstudien und religiöse Eheberatung inklusive.

 

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.07.2007, Nr. 26 / Seite 36

 

Bildmaterial: AFP, AP, dpa, obs, picture-alliance/dpa

 



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