Nur ein Anwalt für beide Ehepartner?

 

Oft sind es die Kosten, die Scheidungspaare zu der Überlegung führen, ob ein Anwalt ausreicht oder ob beide Eheleute einen Anwalt benötigen. Hierzu muss gesagt werden, dass es in Deutschland bei Scheidungsverfahren einen sog. Anwaltszwang gibt.

 

Der Gesetzgeber will damit erreichen, dass der Antragsteller von seinem Anwalt über die Rechtsfolgen aufgeklärt wird und der Antrag den jeweils passenden Inhalt hat. Der Anwaltszwang gilt jedoch nur für den Antragsteller, der andere Ehepartner muss entscheiden, ob er einen eigenen Anwalt in Anspruch nimmt.


Die Entscheidung, ob jeder Ehepartner anwaltlich vertreten sein sollte, könnte sich nach folgenden 6 Möglichkeiten richten.

 



Nur ein Anwalt wird benötigt, wenn:

 

1.) Lediglich das Scheidungsverfahren durchgeführt werden soll, jedoch sog. Scheidungsfolgesachen nicht anfallen

Wenn lediglich das Scheidungsverfahren durchgeführt werden soll und keine sog. Scheidungsfolgesachen geregelt werden sollen,  ist es ausreichend, wenn nur der Antragsteller anwaltlich vertreten ist. Der andere Ehepartner kann in diesem Fall mit gutem Gewissen auf einen eigenen Rechtsbeistand verzichten.

 

Onlinescheidung sinnvoll: ja

Beratung über die Scheidungsfolgen: entfällt

 


 

2.) Wenn die Eheleute bereits eine fertige Lösung über die Scheidungsfolgen gefunden haben

 

Wenn die Eheleute bereits wissen, wie die einvernehmliche Regelung aussieht, die die Interessen beider Seiten angemessen berücksichtigt, kann ein Ehepartner für die Ausarbeitung der Scheidungsfolgesachen auch ein Anwalt beauftragen, der dann die Vereinbarung ausfertigt. Der andere Ehepartner verzichtet auf die anwaltliche Prüfung. Eine Regelung der Scheidungsfolgesachen auf diesem Weg setzt jedoch großes Vertrauen der Eheleute voraus.

 

Onlinescheidung sinnvoll: ja

Beratung über die Scheidungsfolgen: wird empfohlen

 


 

Jede Seite sollte anwaltlich vertreten sein, wenn:

3. ) Bei der Scheidung auch Scheidungsfolgesachen anfallen, die aber außergerichtlich geregelt werden sollen

In diesem Fall sollten beide Seiten eine anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen. Ein Anwalt darf immer nur eine Seite beraten. Sind beide Seiten anwaltlich vertreten, kann der jeweilige Anwalt sicherstellen, dass sein Mandant keine Nachteile erleidet oder sogar einen drohenden Rechtsverlust vermeiden. Dieses Vorgehen wird im Rahmen einvernehmlicher Scheidungen von den Paaren mit einigem Regelungsbedarf im Bereich Versorgungsausgleich oder Zugewinnausgleich vorgezogen, da die außergerichtliche Regelung gegenüber der gerichtlichen Auseinandersetzung erheblich billiger werden kann und die gleiche Rechtssicherheit für die Eheleute bedeutet, und das in deutlich kürzerer Zeit.

 

Onlinescheidung sinnvoll: ja

Beratung über die Scheidungsfolgen: wird empfohlen

 



4.) Wenn es Streit um die Scheidungsfolgesachen gibt

Wenn es Streit um die sog. Scheidungsfolgesachen gibt, ist ein Anwalt für jede Seite auch im Gerichtsverfahren notwendig, da sich die Eheleute vor Gericht nicht selbst vertreten dürfen.

Bitte unbedingt beachten: Sollte auch nur der Verdacht aufkommen, dass Ihr Ehepartner versucht, Sie „über den Tisch zu ziehen“, sollten Sie immer ein Anwalt einschalten. Grundsätzlich sollten Sie niemals etwas unterschreiben, ohne geprüft zu haben, welche Folgen diese Unterschrift für Sie jetzt hat oder in der Zukunft haben wird. Verzichten Sie nicht leichtfertig auf Ansprüche aus dem Versorgungsausgleich oder dem Zugewinn. Es kann erhebliche sozial- und rentenrechtliche Folgen für Sie haben, wenn Sie, ganz gleich ob wissentlich oder aus Unkenntnis, auf etwas verzichten. Jeder hat das Recht und die Möglichkeit, sich anwaltlich beraten zu lassen.

 

Onlinescheidung sinnvoll: ja

Beratung über die Scheidungsfolgen: wird empfohlen

 



5.) Wenn sich Mandanten mit einem Anwalt an der Seite sicherer fühlen

Auch wer sich anfangs gegen die Inanspruchnahme eines Anwalts entscheidet, kann schnell in eine Situation kommen, in der die Gegenseite Fakten schafft, oft auch unter Mithilfe des Anwalts der Gegenseite, deren Konsequenzen man nicht überblicken kann. Hier sollte man auf sein Bauchgefühl hören und sich an einen eigenen Anwalt wenden. Es ist ein beliebter Trick in der Trennungszeit, den anderen Ehepartner zunächst in Sicherheit zu wiegen und klammheimlich einen Verzicht nach dem anderen abzuringen. Oft wird schamlos ausgenutzt, dass man offenen Streit vermeiden will und unterschreibt leichtfertig und ohne Prüfung. In vielen Fällen, in denen Mandanten sich in letzter Minute doch noch an uns gewandt haben, weil sie bereits ahnten, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, haben wir auch kurzfristig dauerhafte Rechtsverluste verhindern können. Mit uns an Ihrer Seite haben Sie die volle und fachkundige Unterstützung, damit Sie sicher und ohne Verluste durch das Scheidungsverfahren kommen.

 

Onlinescheidung sinnvoll: Nach telefonischer Rücksprache

Beratung über die Scheidungsfolgen: wird empfohlen

 



6.) Wenn das Gericht Mandanten auffordert, sich einen eigenen Anwalt zu nehmen

In Ausnahmefällen fordern Familiengerichte Mandanten auf, sich einen Anwalt zu nehmen. Diese Situation kann man erleben, wenn der Antragsteller im gerichtlichen Verfahren versucht, den anderen Ehepartner über alle Maßen zu benachteiligen und dieser nicht reagieren kann, weil dieser nicht anwaltlich vertreten ist und damit vor Gericht keine Anträge stellen kann. Darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht, da das Gericht üblicherweise nur darüber ein Urteil fällt, was auch zuvor als gerichtlicher Antrag eingereicht wurde.
 

Onlinescheidung sinnvoll: nein

Beratung über die Scheidungsfolgen: wird unbedingt empfohlen

  


 

Sinnvolle Kombination - Einvernehmliche Scheidung mit Scheidungsfolgenvereinbarung

 

Wer nur einen Anwalt für beide Ehepartner in Anspruch nehmen will, kann vor einer Scheidung die zu regelnden Sachverhalte (z.B. Unterhalt für Kinder und Ehegatten, Verbleib der Kinder, Regelungen über den Hausrat oder die Ehewohnung usw.) auch in einer Scheidungsfolgenvereinbarung festlegen.

 

Die Vorteile einer Scheidungsfolgenvereinbarung:

 

1. Mehr Rechtssicherheit für die Zeit nach der Scheidung: Beide Seiten sind vertraglich an die Scheidungsfolgenvereinbarung gebunden.

 

2. Niedrigere Verfahrenskosten: Das Scheidungsverfahren wird billiger, da vor Gericht weniger Anträge gestellt werden müssen.

 

3. Nur ein Anwalt vor Gericht notwendig: Wenn die relevanten Punkte bereits in einer Scheidungsfolgenvereinbarung geregelt wurden, muss nur derjenige, der den Scheidungsantrag gestellt hat, anwaltlich vertreten sein.

 

4. Konfliktfreie Scheidung: Es gibt im Scheidungsverfahren keinen Anlass, sich über etwas zu streiten, da alles bereits im Vorfeld geregelt ist.

 



☰ Direktmenü

 

 


Pressekontakt :: Terminvertretungen :: Datenschutz :: AGB :: Kontakt :: Impressum :: Sitemap      © system by signetix
 
Beratung zur Scheidung index Scheidungsantrag jetzt stellen Beratung per E-Mail